Pflichtteilsberechtigter kann im Regelfall Grundbucheinsicht nehmen

OLG Zweibrücken, Beschl. v. 12.08.2020 – 3 W 121/19

Die Einsicht des Grundbuchs ist jedem gestattet, der ein berechtigtes Interesse darlegt. Ein solches Interesse hat im Regelfall auch der Pflichtteilsberechtigte, der nach Eintritt des Erbfalls erbrechtliche Ansprüche prüfen möchte.

Dieser überwiegenden Rechtsauffassung hat sich aktuell auch das Oberlandesgericht (OLG) Zweibrücken angeschlossen. Nach Ansicht des OLG Zweibrücken stehe einem Pflichtteilsberechtigten auch dann ein Recht auf Einsichtnahme zu, wenn der Pflichtteil durch Testament entzogen worden ist, die Wirksamkeit dieser Pflichtteilsentziehung jedoch fern liegt.

Praxishinweis: Für den enterbten Pflichtteilsberechtigten, der zumeist nur eingeschränkte Kenntnis über das Nachlassvermögen hat und insoweit auf die Auskünfte des Erben angewiesen ist, kann die Einsicht in das Grundbuch häufig hilfreich sein. Das Einsichtsrecht kann sich auch auf Grundakten beziehen, denen gegebenenfalls Informationen zu pflichtteilsrelevanten lebzeitigen Schenkungen des Erblassers entnommen werden können.

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